So viel gearbeitet und so wenig zu sehen …

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Nee, det Dach is noch immer nich fertich. Und das Gästehaus auch nicht, aber wer hätte es anders erwartet, bei unserer bisherigen Zeitplanung? Doch wir hatten auch Glück, denn bis auf ein paar leichte Tropfen überraschte uns kein Regen, und so haben wir alle Zeit der Welt, unserer Diele ein Dach aufzusetzen.

(Ich habe versucht, die Arbeiten für meinen Blogeintrag etwas zu ordnen, denn wir haben mal hier und mal da was gemacht, das würde sonst einfach zu durcheinander werden. Und ehrlich gesagt hab ich selbst keine Ahnung mehr, wann wir wie und was gemacht haben.)

Was dauert nun aber alles so lange?
Fangen wir mal beim Gästehaus an: Die Wände kreiden. Die tolle Baba-Farbe hält nicht recht, vielleicht, nein, ganz sicher sogar liegt es daran, dass es beim Auftragen zu warm, zu trocken und zu windig war.
Kalkfarbe auftragen sollte man, sagt das Internet, bis 17°C, aber das ist nur Theorie, und wir wissen es ja immer besser, außerdem hatte ich das Rezept aus Mexiko, und da ist es ja auch immer sonnig und warm – und ach!
Also: Nee, alles doof und alles neu.

Zuerst versuchte ich, die fürchterlich kreidende Farbe mit einem Besen abzufegen, doch das dauerte extrem lange. Mit einem Küchenschwamm ging es besser. [Funfact: So ein typisch gelber Küchenschwamm mit grüner Topfmatte heißt auf Spanisch „salvauñas“, ein zusammengesetztes Wort, das soviel bedeutet wie: Fingernagelretter.]
Ich schrubbte also mit dem trocknen Schwamm die ganze Farbe wieder ab, sowohl im Schlafzimmer als auch im Bad. Jetzt brauchten die Wände einen neuen Anstrich. Ich versuchte ich es mit einer neuen Mischung: Cal en Pasta (=Sumpfkalk) und Wasser, Mischungsverhältnis 1:4. Wieder hat das Internet geholfen, und ja, es machte beim ersten Test einen guten Eindruck und kreidete nicht.

Ich haute also diese superdünne Farbe an die Wand. Nicht ohne zuvor und auch währenddessen und danach die Wand mit der Farbpistole ordentlich zu nässen. Denn Feuchtigkeit ist das A und O beim Anstreichen mit Kalkfarbe!

Der gute L. gab mir noch den Tipp, einen kleinen Schuss Öl in meine Farbe zu geben. Der Tipp war gut, ich hätte aber vorher nachdenken müssen, denn das Öl kommt in den letzten Anstrich und nicht, wenn die Farbe noch nicht deckt und noch weitere Anstriche vorgesehen sind. So perlte mir der zweite (eigentlich 4.) von der Wand ab und ich hatte Mühe, den Tropfen hinterherzuwischen und sie einzumassieren. Hoffentlich haftet sie … Ach, bestimmt!


Doch die Wandfarbe war nicht das einzige, mit dem ich mich beschäftigte, während Ollie noch immer Sandwichpanele färbte und ölte.

Nun hatte ich von dem ersten Tischler gehört, dass man Kalk oder Zement niemals direkt ans Holz klatschen, sondern immer und unbedingt einen kleinen Abstand dazwischen lassen sollte, sonst würde, da das Holz sich bewegt, der Kalk aber fest wird, der Kalk irgendwann unschöne Risse bekommen. Und da das niemand möchte, schmierte ich kurzerhand Silikon in die freigelassenen Ritzen und dachte, es wäre eine gute Idee.

Sah kacke aus, ich fluchte wie ein Rohrspatz. Aber wie sonst sollte man die Fuge verkitten?
Hilfe kam mal wieder aus Österreich von L. (Danke!). Fensterkitt wäre die (einzig logische) Lösung, und den kann man sogar ganz leicht selbst machen! Kreide mit ein wenig Leinöl vermischen und fertig.
Doch … vermutlich gibt es hier keine Kreide zu kaufen. Ehrlich gesagt haben wir nicht einmal im Baumarkt nachgefragt, doch statt Kreide benutzten wir einfach Kalk. Den haben wir da. In großen Mengen!
L. meinte, das könnte funktionieren, da Kalk und Kreide ja verwandt sind1)Calciumhydroxid vs. Calciumcarbonat, und ich sollte das doch einfach mal ausprobieren. Und das tat ich.

Es dauerte eine Weile, bis ich die richtige Konsistenz hatte, denn sobald ich es etwas länger in meiner Hand hielt, schmolz es regelrecht und klebte zwischen den Fingern und auf der Handfläche, ach, einfach überall.

Aber ich gebe nicht (nie?) auf. Nicht, wenn es um Kalk und Leinöl geht jedenfalls, zwei mir liebgewonnene Materialien. Im Video (s.o) ist der Wurm noch zu klebrig, ich denke, wenn die Masse einem guten Hefeteig ähnelt, ist sie gut. Dann jedenfalls lässt sie sich gut verarbeiten und klebt nicht überall fest.


Dann waren ja auch noch die Fenster fertig! Wir holten sie in Teguise ab und ölten sie.

Etwas seltsam installiert ist der Fenstergriff am neuen Fenster. Zum Öffnen muss man ihn nach oben drehen (als würde man ein Kippfenster öffnen), wenn das Fenster jedoch geschlossen ist, steht er waagerecht und versperrt das rechte Tapaluz. Mal schauen, ob, bzw., wie wir das noch korrigieren. Bin mir sicher, das geht.


Ollie dengelte (s.u.), ich befasste mich mit den Steinen, die wir in den Eingang zum Gästehaus legen wollen. Die sind nämlich ziemlich unpassend für so ein altes Haus, viel zu gerade und akkurat. Und wie sieht das aus, wenn die Wände krumm und schief, der Boden aber total geschniegelt und gerade ist?


Wie ging es denn nun beim Dach weiter? Ging es überhaupt weiter?
Natürlich. Wir starteten bei der Wand, die man von der Straße aus sehen kann.

Drinnen ging es dann weiter: Die Nische rechts neben dem HWR soll die Speisekammer werden. Längst schon hatten wir eine Doppeltür dafür ausgesucht, doch plötzlich kamen uns Zeifel. Erstens hatten wir keine Idee, woran wir den Türrahmen befestigen sollten, denn die Doppeltür hätte fast die gesamte Nischenbreite ausgefüllt. Und wie dann die Wand über dem hölzernen Türrahmen bauen? Hm. Zweitens braucht man für eine Speisekammer einfach keine zwei Türen. Eine reicht völlig, und man gewinnt mit einer neuen Mauer eine schöne Ecke dazu. Für ein Stück Puttentisch. Oder eine Blumenvase.

Bevor wir aber die Längsbalken bauen können, musste die Wand, auf der diese aufliegen werden, gemauert werden: Die über der Eingangstür.

Beim Dengeln über der Haustür sollte Ollie es übrigens nicht belassen. Ganz übel verhält sich nämlich die Wand über der HWR-Tür. Auch diese Tür soll keine eens fuffzich bleiben, sondern hoch genug werden, dass auch ein Festlandeuropäer (ich weiß, das ist garstig!) aufrecht darunterdurchlaufen kann.
Ollie flexte also dort, wo der neue Türsturz eingesetzt werden sollte, ein Rechteck aus, wollte die Steine dort rauskloppen, hatte die Rechnung aber ohne den Wirt gemacht, die Überlegung ohne den vorigen Hausbesitzer:
Der Zement an dieser Stelle ist steinhart.

Was auch immer die da für eine Mischung verwendet haben, eine kanarische (1 Teil Zement, 10 Teile Sand) war es ganz sicher nicht. Mit dem Vorschlaghammer kam man dagegen nicht an, mit der Flex irgendwie auch nicht, aber Ollie ist stur genug, um dranzubleiben, außerdem wollen wir keine Hobbit-Tür. Wie lange er daran herumgewerkelt hat? Keine Ahnung, einen ganzen Tag vielleicht? Und noch immer steht ein Rest, ist nicht kleinzukriegen. Ollie dagegen schon, am nächsten Tag brauchte er erst mal eine kleine Pause, um zu regenerieren.


Frisch erholt ging es dann weiter.

Und das war es dann auch schon. Es waren zwei anstrengende Wochen, von denen man nicht wirklich viel sehen kann. Aber wir wissen, was wir getan haben. Oder wenigstens, dass wir etwas getan haben. Vielleicht geht’s in der nächsten Woche weniger chaotisch zu. Da sollen die dicken Längsbalken drauf. Dann die Sandwichpanele und die Teerpappe und zu guter Letzt die Kalkfarbe.

Und das Gästehaus bekommt seinen letzten Anstrich. Toi, toi, toi.

Fußnoten

Fußnoten
1 Calciumhydroxid vs. Calciumcarbonat

3 Gedanken zu „So viel gearbeitet und so wenig zu sehen …“

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