Am Wochenende mal nichts zu tun, war wichtig.
Seit der Maurer da ist, sind wir von früh bis spät da, bleiben, bis er geht und kommen, wenigstens ungefähr, wenn er kommt. Er hat die Dachpappe verlegt, oh, da fällt mir schon wieder eine neue Geschichte ein, eine neue Odyssee!
Um Dachpappe zu verlegen, braucht man Feuer. Wir also am Mittwoch los, einen – wie ich dazu immer sage – großen Lötkolben kaufen. Ollie sagt dazu Brenner, als wäre es ein Pass in den Alpen. Die Spanierin an der Tanke in Arrieta sprach von Soplete, doch weil die Sopletes, die sie verkauft, nicht für das Verlegen von Dachpappe geeignet wären, kauften wir das passende schlussendlich im Baumarkt in Arrecife. Lediglich eine Bombona bräuchten wir noch, eine Gasflasche, die bekämen wir an der Tankstelle gegenüber. Wir hin zur Tankstelle, doch als ich ihnen – sicher ist sicher – den Brenner zeigte, war man überzeugt, nicht die passenden Flaschen auf Lager zu haben. Sie schickten uns quer durch die Stadt zu einer weiteren Filiale. Der gute Mann an der Kasse war sehr nett, reagierte auch nicht auf das ungeduldige Klopfen eines Taxifahrers, der sich gerne vordrängeln wollte, packte den Brenner noch am Kassentresen aus und schickte uns dann zu einem Kollegen, der uns ebenso freundlich erklärte, dass dem Brenner ein wichtiges Verbindungsstück fehlte. Ohne das, so sagte er, könnte man den Brenner nicht an die Gasflasche montieren. Wir fuhren zu einem nähergelegenen Baumarkt und kauften dieses Verbindungsgstück (übrigens ein anderes, als uns der Mann von der Tankstelle empfohlen hatte, aber der im Baumarkt versicherte, dass nur er recht hätte!). Und der im Baumarkt versicherte uns auch, dass an dem Brenner etwas fehlen würde. Gummiringe. Simple, kleine, schwarze Gummiringe, die zwischen Brenner und Verbindungsstück reingehörten.
Ollies Annahme, dass die kleine, schlüpfrigen Dingerchen an der Tanke aus der Verpackung herausgefallen sein könnten, bestätigten sich bei einem erneuten Besuch. Natürlich verneinte der Mann am Tresen sofort, doch schnell entdeckten wir wenigstens eins der Gummis, und den zweiten, den gab es schließlich gratis zum Kauf einer Gasflasche dazu.
Wir erreichten Mala erst nach zehn Uhr. Der Maurer erklärte uns am Nachmittag, dass die Gasflasche Mist wäre. Am Montag würde er eine vernünftige mitbringen.
Seit der letzten Woche sind wir trotz unpassender Gerätschaften und Hin und Her viel vorangekommen, auch wenn man das noch gar nicht so sieht. Doch es wird.
Wir haben jetzt zum Beispiel Türen! Natürlich noch nicht eingebaut, sie stehen im Gästehaus und warten auf Bearbeitung.
Unser Wahnsinnsnachbar holte uns wie vereinbart am Donnerstag mit seinem uralten, aber durchaus praktischen Bus ab, um mit uns nach Yé zu fahren, wo er die Türen gelagert hatte. Wir waren durch den ganzen Maurerstress völlig unvorbereitet, hatten die Größen der Türöffnungen nur irgendwie irgendwo aufgeschrieben, und so war es eher ein peinliches Ratespiel, welche der Türen wir brauchen könnten, als dass wir wirklich sicher waren. Vermutlich hält er uns für totale Chaoten, aber vielleicht liegt er damit ja auch gar nicht so falsch. Erstaunlicherweise konnten wir, als wir die acht Türen gestern den zum x-ten Male gemessenen Türöffnungen zuordneten, alle gebrauchen, sie passen wie die Faust aufs Auge! Bei einer Tür – der Klotür, durch die man ja nicht unbedingt durchschauen sollte – werden wir Glas gegen Holz tauschen, bei einer anderen geschieht das umgekehrt. Ein paar der Türen müssen wir nun noch in der Größe anpassen, dann nur abschleifen oder abbrennen, mit unserer Superbeize bepinseln, und anschließend ein paar Mal einölen. Schlösser rein, Klinken dazu. Ein Kinderspiel! Ick freu mir.
Die Türstürze, die noch nicht eingebaut wurden, haben wir zuvor an demselben Donnerstag ordentlich eben dieser Prozedur unterworfen. Wir pinselten sie zuerst mit dem drei Tage zuvor angesetzten 3-Tage-Essig-Stahl-Sud ein und ließen sie über Nacht trocknen, wo sie eine ziemliche Scheißfarbe (entschuldigt wie Wortwahl, aber isso, schaut doch selbst, erstes Bild links) angenommen haben. Am nächsten Tag kam die zweite und alles rettende Schicht mit Betún de Judea und Terpentin (Mischungsverhältnis 1:4) drauf, jetzt sah alles schon viel besser aus, auch wenn die Balken noch recht stumpf waren. Das Wochenende diente dann uns zum Ausruhen und den Stürzen zum trocknen, so dass wir gestern mit dem Ölen beginnen konnten. 2:1 war die perfekte Mischung von Terpentin und Leinöl.
Das Ergebnis nach einem Tag seht Ihr links. Wir finden es grandios! Natürlich hat es viel Arbeit gemacht, aber ich denke, solche Balken und Türstürze hat sonst niemand auf der Welt. Kein doofer Lack, und ein Unwissender kann nicht mal sehen, dass es sich um billiges Kiefernholz handelt. Blöd natürlich, dass ich das öffentlich blogge, aber Ihr sagt es ja nicht weiter, oder? Gleich daneben ein Teil der Arbeit des Maurers. Der Fensterdurchbruch im Gästehaus ging recht fix, danach wurde alles gestützt und mit Kalkmörtel (ja, der aus Fuerteventura) begradigt. Es ist schon übel, wenn ich daran denke, wir streng wir anfangs waren, und was wir uns und den Arbeitern nun alles durchgehen lassen. Die Türdurchbrüche werden jetzt ohne Sicherheitsmaßnahmen in die Wände gehauen, in der Hoffnung, dass nicht zu viel von der Wand darüber wegbricht, und die Türen werden anschließend mit Zement begradigt. Doch so ist das, wenn man keine Wahl hat und vorankommen will. Wenigstens ein paar Bereiche können mit dem salzlosen Kalkmörtel gemacht werden. Soll der Maurer doch meckern, dass es so lange trocknet, ich hab meinen Kalk in der Wand und keinen Zement mit salzigem Arena negra.
Heute war Ollie dann allein auf der Baustelle, ich musste (durfte) zu Hause am Rechner arbeiten. Er trug eine zweite Schicht Leinöl auf die Türstürze auf und verpasste den Balken, die senkrecht an den vier Ecken der Tür optisch die Stürze stützen und später die Türen halten sollen, mein Gott, wie soll man das beschreiben? Ich lass es. Ihr werdet es sehen, wenn die ersten drin sind. In der Zwischenzeit erhöhte der Maurer die Tür von der Küche zum Patio, nicht ohne dass ein Teil der Wand mit runterkam und mit ihm die Seitenwand eines kleinen Einbauschränkchens. Was soll’s.
Sie werden es mit Zement richten, und alles wird schön.
Zu guter Letzt noch ein Bild zum Thema: Sicherheit am Bau. Der Sicherungskasten ist von der Wand gefallen. Kann ja mal passieren, ist keiner dran Schuld, vermutlich wurde zu dolle am Kabel gezogen, ich war’s nicht, und wer kann schon ahnen, dass der Kasten gleich einen Abgang macht? (Diesmal erscheint mir die Ausrede tatsächlich schlüssig!) Morgen kommt der Elektriker und bringt das in Ordnung. Uns haut echt nichts mehr um.
